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Aug 09

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Wenn unser Immunsystem zum Feind wird!

Um die 5 Mio. Menschen in Europa leiden unter Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel Multiple Sklerose, Zöliakie, Diabetes Typ I, Neurodermitis oder rheumatoider Arthritis. Somit gehört die Gruppe der Autoimmunerkrankungen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in den Industrieländern.Copyright: lightwise / 123RF Stock Photo

Aber was sind eigentlich Autoimmunerkrankungen?

Im Gegensatz zur Grippe gibt es bei den Autoimmunerkrankungen keine Krankheitserreger, die in unseren Körper eindringen und eine Abwehrreaktion auslösen, sondern unser eigenes Immunsystem richtet sich gegen uns. Die Aufgabe des Immunsystem ist es, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, und dann gezielt gegen Feinde vorzugehen. Läuft bei dem ersten Schritt, der Unterscheidung zwischen Freund und Feind, etwas schief, dann kann unser Immunsystem den eigenen Körper angreifen. So kann es passieren, dass das Immunsystem körpereigene Zellen und Gewebe nicht als Freund, sondern als Feind einordnet und bekämpft diese. Dies führt zu schweren Entzündungsreaktionen und wird als Autoimmunerkrankung bezeichnet. Rheumatiode Arthritis, Multiple Sklerose, Diabetes Typ I, Zöliakie und Neurodermitis sind die bekanntesten Vertreter, doch die meisten der über 60 Autoimmunerkrankungen sind kaum bekannt.

Autoimmunerkrankungen können jeden treffen, vor allem aber junge Menschen.

Viele der Autoimmunerkrankungen entstehen bereits in jungen Jahren. Schon früh kommt es zu irreparablen Schäden im Gewebe bis hin zu Behinderungen, und letztendlich auch zu Arbeitslosigkeit und sonstigen Beeinträchtigungen des sozialen Lebens. Damit es aber zu einer Erkrankung kommt, müssen mehrere ungünstige Faktoren zusammen kommen.

„bad genes and bad luck“!

Eine Voraussetzung ist die genetische Veranlagung, auch genetische Disposition genannt. Doch nur weil man eine erhöhte Empfänglichkeit z.B. für Rheuma hat, bedeutet das nicht, dass man auch krank werden muss, aber kann. Wissenschaftler bezeichnen dies als „bad genes and bad luck“, also genetische Veranlagung und Zufall. Dies zeigt, dass die Suche nach den einzelnen Ursachen für Autoimmunerkrankungen sehr schwierig ist und allgemein als „Zufall“ bezeichnet wird. Deshalb sind die Therapiemöglichkeiten zur Zeit noch begrenzt sind. Doch Forscher kommen in letzter Zeit spannenden Zusammenhängen der „Zufälle“ auf die Spur.

Unser Immunsystem wird durch unterschiedliche Faktoren geprägt: unsere Umwelt, Ernährung, Infektionen, Stress und Hormone können die Empfindlichkeit des Immunsystems beeinflussen und prägen. Dies sieht man beispielsweise an dem weiblichen Sexualhormon Östrogen und der Tatsache, dass überdurchschnittlich viele junge Frauen zwischen 20 und 40 Jahren von Autoimmunerkrankungen betroffen sind. Grundsätzlich hat Östrogen eine sensibilisierende Wirkung auf unser Immunsystem, so dass es leichter über das Ziel hinaus schiessen kann. Zusätzlich zum meist wohldosierten körpereigenen Östrogen nehmen wir fast täglich viele östrogen-ähnliche Stoffe auf: so zum Beispiel über Trinkwasser, über in Plastik verpackte Lebensmittel oder direkt über einige Nahrungsmittel (wie z.B. Soja).

Darmkeime als Schlüsselrolle bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen

Die Funktion des körpereigenen Abwehrsystems ist zum grossen Teil abhängig von der Darmflora. Bei einem Säugling wird die Entwicklung des Immunsystems massgeblich durch dessen Darmkeime beeinflusst. Und bei Erwachsenen ändert sich die Zusammensetzung der Darmflora ständig, je nach Ernährungsgewohnheiten, Stress, Infektionen, Entzündungen im Körper und vor allem nach Medikamenteneinnahme (z.B. Antibiotika). So zeigen neuste wissenschaftliche Untersuchungen beispielsweise, dass nur schon das richtige Mass an Bewegung sich positiv auf die Zusammensetzung der Darmflora und somit auf die Funktionsfähigkeit unseres Immunsystems auswirken.

Die klassische Behandlung der Schulmedizin ist eine Unterdrückung des Immunsystems, auch Immunsuppression genannt. Die eingesetzten Medikamente sind notwendig, jedoch unterdrücken sie zum Teil recht unspezifisch das Immunsystem und setzen somit die Immunabwehr ausser Kraft, und sie haben öfters starke Nebenwirkungen.

Wenn man jedoch die Zusammenhänge zwischen Darmflora und Immunsystem berücksichtigt, dann ist ein zusätzlicher Ansatzpunkt in der Therapie die natürliche Revision der Darmflora.
Somit wird das Immunsystem beruhigt und umerzogen, damit es nicht mehr über das Ziel hinaus schiesst und wieder zwischen Freund und Feind unterscheiden kann. Massnahmen sind zu suchen im Bereich der ausgewogenen Ernährung (mit weniger die Darmflora-schädigenden Antinutrienten und weniger Hormonen) und des Lebensstils (mit ausreichender Bewegung und weniger Stress). So kommt das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht, das Fortschreiten der Autoimmunerkrankung geht zurück, und die Immunsuppressiva können eventuell reduziert oder sogar abgesetzt werden.

Bildquelle: lightwise / www.123rf.com

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