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Mrz 16

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Löcher im Darm?!

„Auf sein Bauchgefühl hören.“ Oder „Schmetterlinge im Bauch haben“. In Sprichwörtern wird unser Bauch recht häufig mit unserer Gefühlswelt und mit unseren Empfindungen in Verbindung gebracht. Schauen wir zur traditionell chinesischen Medizin, liegt unterhalb des Bauchnabels das Energiezentrum den Menschen. Doch wie wichtig ist uns der Bauch heutzutage? Er sollte von aussen schön flach und durchtrainiert sein, aber pflegen wir unseren Bauch auch wirklich gut von innen?

@123RF (Tamara Radavanavich)

@123RF (Tamara Radavanavich)

Es ist nicht ungewöhnlich, dass im Gespräch mit meinen Klienten häufig starke Verdauungsbeschwerden zum Vorschein kommen. In den meisten Fällen sind sie jedoch nicht der Hauptgrund für Ihren Besuch. Teilweise werden die Blähungen oder Verstopfungen nicht als störend wahrgenommen, da sie seit Jahren zum täglichen Leben dazugehören.

Doch unser Verdauungssystem beeinflusst unseren gesamten Körper. Es dient nicht nur der Nahrungsaufnahme und der Energiebereitstellung, sondern vor allem dem Schutz unseres gesamten Organismus. Ein gesunder Darm dient vor allem als Barriere: schützt unseren Körper somit vor krankmachenden Eindringlingen und unterstützt das ganze Immunsystem.

Durch Medikamente, falsche Ernährung, Strahlentherapie, Gifte oder psychischen Stress kann unsere schützende Darmschleimhaut geschädigt werden, wodurch der Darm „löchrig“ wird und „leckt“. Somit verliert der Darm seine Barrierefunktion, und körperfremde Stoffe können ungehindert in den Körper gelangen. Dieses Phänomen wird als Leaky-Gut-Syndrom bezeichnet.

Welche Folgen kann ein Leaky-Gut-Syndrom haben?

Wird unsere gesunde Darmflora nur einmalig z.B. durch Medikamente angegriffen, so kann der Körper durch Regeneration diese Schädigung schnell wieder ausgleichen. Doch ständige Reizungen, z.B. durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, führen zur Schädigung unserer Darmflora und der Darmschleimhaut. Dies hat akute oder chronische Darmentzündungen zur Folge, wie sie bei Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und rheumatoider Arthritis auftreten.

Doch auch bei Allergien ist die Funktion der Darmschleimhaut durch chronische Entzündungen gestört. Eine gesunde Darmschleimhaut produziert sekretorisches ImmunglobulinA (IgA). Das ist ein Immuneiweiss, das für die Bindung und den Abtransport von Schadstoffen aus der Nahrung verantwortlich ist. Besitzen wir nicht genügend sekretorisches IgA, können diese Schadstoffe den Darm reizen, und wenn der Darm „löchrig“ ist, sogar in unseren Körper eindringen und unser Immunsystem aktivieren.

So kann ein Leaky-Gut-Syndrom nicht nur zu Verdauungsbescherden wie Verstopfungen, Blähungen und Durchfall führen, sondern auch die Entstehung von Allergien fördern.

Muss unser Immunsystem ständig gegen Eindringlinge im Darm kämpfen, dann kostet das unseren Körper nicht nur sehr viel Energie, sondern unsere anderen Barrieren, wie z.B. unsere Bronchien, sind weniger gut geschützt. Infektanfälligkeit, Müdigkeit, Leistungsabfall und Störungen im Hormonhaushalt sind die Folge.

Ist die Darmflora gestört, hat das auch eine mangelhafte Nahrungsverwertung zur Folge. Wichtige Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe können nicht mehr ausreichend aufgenommen werden. Mangelerscheinungen trotz einer gesunden ausgewogenen Ernährung sind die Folgen.

Häufig kann man schon durch eine ausführliche systematische Befragung auf ein Leaky-Gut-Syndrom schliessen. Ein Lactulose-Manitol-Test kann zusätzlich das gesamte Darmmilieu untersuchen und gibt uns eine Aussage über den genauen Zustand unserer Darmflora und der Darmwand. Erst bei schweren Störungen wie Zöliakie, rheumatoider Arthritis oder Morbus Crohn sind Veränderungen der Blutwerte zu beobachten.

Was kann man tun um Allergien, Morbus Crohn, rheumatoide Arthritis und Co erfolgreich zu bekämpfen?

Im Bereich der Komplementärmedizin suchen wir immer wieder nach dem WARUM. WAS ist die Ursache für eine Störung und WARUM zeigt der Klient gerade diese Symptome? Wir untersuchen lifestyle-Faktoren, Umwelt, Gene und die Krankheitsgeschichte des Klienten.

Zur Regulierung von Verdauungsbeschwerden und zu Bekämpfung des Leaky-Gut-Syndroms hat sich ein 5 Stufen Programm bewährt. Dieses Programm stellt einen effektiven Weg dar, den Darm wieder ins Gleichgewicht zu bringen (incl. Darmsanierung).

 

  1. Ernährungsumstellung


    Zuerst müssen wir die weitere Schädigung des Darms verhindern. Eine 14tägige Entlastungsphase beruhigt den Darm. In dieser Phase soll möglichst weitgehend auf Kuhmilchprodukte (wegen Laktose), Getreideprodukte (wegen Gluten und Lektin), Kartoffeln, Zucker und Alkohol verzichtet werden. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Klienten ist dabei sehr wichtig, um Alternativen für die eigene Ernährung zu finden. Denn Essen soll nicht nur Nahrungsaufnahme sein, sondern vor allem Genuss.
  2. Schnelle Hilfe für den Darm
    Der Komplementärtherapeut hilft herauszufinden, welche schnelle Unterstützung die beste für den jeweiligen Klienten ist. So müssen zuerst die akuten Mangelerscheinungen von wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen ausgeglichen werden. Ferner kann die Gabe von Verdauungsenzyme indiziert sein, wenn sie nicht in ausreichendem Mass vorhanden sind. Gegebenenfalls müssen auch Darmentzündungen vorrangig behandelt werden, bevor weitere Schritte folgen können.
  3. Reparieren der Darmwand


    Um die Darmbarriere wieder herzustellen, ist es wichtig, die Zellen der Darmwand zu reparieren und die Barriere zu schliessen. Dabei haben sich L-Glutamin und Zink sehr bewährt. Ist die Darmbarriere wieder Intakt, so kann sich wieder genügend gesunder Darmschleim in Form von sekretorischem IgA bilden und das Immunsystem beruhigen.
  4. Wiederaufbau der Darmflora
    Ist die Darmwand geschlossen, dann kann mit dem Aufbau einer neuen Darmflora begonnen werden. Mittels Probiotika und Prebiotika werden „gute“ Bakterien wieder im Darm angesiedelt. Diese helfen uns nicht nur bei der Nahrungsverwertung, sondern regulieren auch die „schlechten“ Bakterien im Körper, und sorgen somit für unsere Gesundheit. Darüber hinaus ist eine ballaststoffreiche Ernährung für den Unterhalt unserer „guten“ Darmbakterien wichtig.
  5. Achtsamkeit


    Letztendlich reicht es nicht, nur einmal den Darm zu sanieren und dann einfach weiter zu machen, wie vorher! Wir müssen unserer Ernährung allgemein mehr Beachtung schenken. Es reicht nicht aus, nur darauf zu achten, WAS man isst, sondern auch WO und WIE man isst. Wir sollten unser Essen nicht schnell im Stehen hinter schlingen, sondern in entspannter Atmosphäre geniessen. Verdauung beginnt im Mund, und somit ist es wichtig, gut zu kauen.

Mit Zeit, Geduld und komplementärmedizinischer Unterstützung ist es für jeden möglich, Verdauungsbeschwerden, Allergien, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und sogar Zöliakie und rheumatoide Arthritis wieder in den Griff zu bekommen.

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